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Bildung ist wichtiger Weg aus der Armut

02-09-2012 19:29 von Oliver Werthmöller

Katharina Feldmann vom Treffpunkt Malawi stellt Ausbildungsprogramm auf die Beine: Menschen in Ekwendeni dankbar für neue Chancen

 

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Katharina Feldmann freut sich mit den Schülern und Lehrern über einen erfolgreichen Start der Kurse im Tischler- und Schneiderhandwerk.

 

In einem Punkt unterscheiden sich Malawi und Deutschland ganz erheblich: Bei uns gibt es eine soziale Grundabsicherung und in Malawi nicht. „Wer keine Arbeit hat, hat am Ende des Tages auch kein Essen auf dem Tisch“, spricht Katharina Feldmann ein Grundproblem in dem südostafrikanischen Land an. Neun Monate lebte sie dort, kehrte Anfang Februar für einen vierwöchigen Heimarturlaub nach Riesenbeck zurück, um für drei weitere Monate zu helfen, ein Ausbildungsprogramm auf die Beine zu stellen. 20 Jugendliche werden in den Kursen Schreiner- und Tischlerarbeit sowie Design und Schneiderhandwerk unterrichtet. „Schul- und Berufsbildung sind oft der einzige Weg aus der Armut. Deshalb sind die Menschen hier in Ekwendeni sehr dankbar für die Chancen, die sich aus dem Projekt ergeben“, berichtet die 20-Jährige. Die Idee für das Projekt kam von Sr. Beatrice Chipeta, die auch das Lusubilo Waisenhaus in Karonga leitet und seit Jahren vom Treffpunkt Malawi unterstützt wird, und Fr. Mark Mukandawire, Priester der Gemeinde Mzambazi. Dass Treffpunkt-Mitglied Katharina Feldmann so lange vor Ort ist, ist sowohl für die Menschen in Ekwendeni als auch den Treffpunkt Malawi als Projektpartner ein Glücksfall: Die Kommunikation mit dem ganz im Norden Malawis gelegenen kleinen Ort ist wegen fehlender Computer, schlechter Internetverbindungen und teurer Telefongespräche schwierig.

 

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Mit großem Eifer absolvieren die Jugendlichen das Ausbildungsprogramm für Schreiner und Tischler.


Bis Ende Mai hat Katharina Feldmann noch Zeit, zusammen mit dem Gemeindepriester und Mitgliedern der Kirchengemeinde an der Satzung und Managementstruktur für das St. Michael’s Skills Development Centre zu arbeiten. Nachdem bereits Werkezuge, Nähmaschinen, Stoffe und ein einfaches Abdach gebaut wurden, müssen als nächstes professionelle Lehrer angestellt und finanziert sowie eigene Räumlichkeiten erstellt werden. Bisher unterrichten jugendliche Absolventen einer anderen technischen Schule und haben nur provisorische Räume zur Verfügung. Zukunftspläne, Aids-Aufklärung, Kindergartengruppen, Frauen- und Landwirtschaftsprojekte sowie Kurse im Maurerhandwerk oder Elektronik zu initiieren gibt es auch bereits. „Vielleicht lässt sich alles später in einem Kolpinghaus vereinen, denn es gibt hier großes Interesse, eine Kolpingsfamilie zu gründen“, ist Katharina Feldmann gespannt auf die weitere Entwicklung.

 

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Mit Unterstützung des Treffpunkts Malawi wird den benachteiligten Jugendlichen in Ekwendeni neben dem Kurs Tischlerhandwerk auch Unterricht in Design und Schneiderhandwerk angeboten.

 

 

Während ihrer Zeit in Malawi vertiefte sie zudem die Kontakte zu der Kolpingsfamilie Mzambazi, die einen Kindergarten gegründet hat und weitere Kinder unterrichten und mit Hirsebrei versorgen möchte, während die Eltern auf den Feldern arbeiten.

Die politische Situation in Malawi verfolgt die Riesenbeckerin im Moment besonders interessiert. „Der bisherige Präsident wurde in seiner zweiten Amtszeit für seine autokratische Führung zunehmend kritisiert. Durch einen Bruch mit den wichtigsten Geberländern und einer Wirtschaftskrise sind alltägliche Dinge wie Benzin, Zucker, Öl und Butter sogar teurer als in Deutschland und vor allem Benzin war zuletzt kaum noch zu bekommen“, beschreibt Katharina Feldmann die Situation. Nach dem Tod des Präsidenten Anfang Mai setzen nun alle große Hoffnung in die Vizepräsidentin, die verfassungsgemäß die Regierungsgeschäfte übernommen und bereits Änderungen durchgesetzt hat.

 „Die Menschen hier hätten eine Wendung zum Besseren verdient. Die gastfreundlichen und fröhlichen Bewohner des ‚warmen Herzens Afrikas‘, wie Malawi für Touristen wirbt, geben die Hoffnung nie auf. Genau das ist es, was mich an Malawi so fasziniert: Auch aus den schwierigsten Situationen machen die Menschen immer noch das Beste. Obwohl sie kaum Geld haben, um sich ein Paket Zucker zu kaufen, laden sie dich zum Abendessen ein. Die Malawier sind die Probleme gewöhnt und wissen zu schätzen, dass es zumindest friedlich ist“, sprüht Katharina Feldmann vor Begeisterung für das Land. „Die Probleme in Deutschland werden vor diesem Hintergrund ganz klein.“ Was sie in dem insgesamt ein Jahr dauernden Aufenthalt gelernt hat, liegt für sie auf der Hand: „Geduld – hier in Afrika ticken die Uhren einfach etwas langsamer und für Kleinigkeiten, die man in Deutschland vielleicht an einem Tag erledigen kann, muss man hier locker mal zwei Wochen einplanen. Aber dafür haben die Malawier noch Zeit, sich beim Einkaufen einfach mal zu unterhalten oder sich auf eine Tasse Tee einzuladen.“

Wenn Katharina Feldmann aus Malawi zurückkehrt, möchte sie studieren und kann sich auch vorstellen, ihre Leidenschaft für Entwicklungszusammenarbeit zum Beruf zu machen.  

Wer die Projekte des Treffpunkts Malawi unterstützen möchte, kann seine Spende auf folgendes Konto überweisen: Konto-Nr. 905 333 600, Bankleitzahl 403 619 06

Volksbank Tecklenburger Land eG

 

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